7 Minuten“ ist zweifellos eines der klügsten Stücke, das die Gegenwartsdramatik in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat

 

 

 

7 MINUTEN7 MINUTEN boshua Luxembourg 0476

BETRIEBSRAT

(7 Minuti • consiglio di fabbrica)

 

 

Stück von

STEFANO MASSINI

 

Deutsch von Sabine Heymann

11 D / Einheitsdek.

 

DSE Koproduktion Les Théâtres de la Ville de Luxembourg (Pr. 17. Oktober 2017) und Staatstheater Mainz (Pr. 04. November 2017)

 

Regie: Carole Lorang

 

Besetzung: Katharina Bintz (Sophie), Sophia Carla Brocker (Agnes), Nora Koenig (Arielle), Antonia Labs (Sabine), Sophie Langevin (Odette), Talisa Lara (Zoélie), Rosalie Maes (Mireille), Renelde Pierlot (Lorraine), Andrea Quirbach (Blanche), Leila Schaus (Mahtab), Leoni Schulz (Rachel)

 

  

7 MINUTEN boshua Luxembourg 1004Elf Frauen, ein Betriebsrat, ein Raum, eine Stunde, eine Entscheidung.

 

„Unser Vorschlag lautet, dass Sie auf weniger als die Hälfte der vertraglich festgelegten Pause verzichten, also auf nur 7 Minuten, und damit den Kraftakt der Eigentümer honorieren, Ihnen in dieser schwierigen historischen Übergangssituation entgegenzukommen.“

 

Es ist ein freundliches Ersuchen der neuen Eigentümer, per Brief, an jede Einzelne persönlich gerichtet. Sprecherin Blanche überreicht ihn ihren Kolleginnen, nachdem sie stundenlang im Gespräch mit den ausländischen Gesellschaftern war, die das traditionsreiche Textilunternehmen gerade aufgekauft haben. Die Arbeiterinnen haben das Schlimmste erwartet, ihre Entlassung. Die Kürzung der Mittagspause nehmen sie billigend in Kauf, wenn sie dafür weiter arbeiten können. Eine Abstimmung über Annahme oder Ablehnung der Bedingung scheint überflüssig. Doch Blanche hat Zweifel, fürchtet über den Tisch gezogen zu werden. Was wollen die Herren aus der Chefetage wirklich? Welche Konsequenzen wird die Entscheidung nach sich ziehen? Sie werden die Gehälter nicht antasten, aber sieben Minuten weniger Pause bedeuten auch sieben Minuten mehr Arbeit – bei gleichem Lohn. Und an diesem hängen ihre Existenzen. Was ist man also bereit hinzunehmen, nur um seine Arbeit zu behalten?

 

7 MINUTEN boshua Luxembourg 0917Unterschiedliche Charaktere, Meinungen, Schicksale treffen aufeinander. In einer hitzigen Diskussion ringt jede von ihnen um Positionierung, mit ihren individuellen Hoffnungen, Ängsten und Nöten. Die Elf sind als Stellvertreterinnen gewählt, tragen die Verantwortung für alle Kolleginnen des Betriebs. Ihre Wahl könnte zum Präzedenzfall werden. Aber haben sie wirklich die Wahl? Sie fürchten entlassen zu werden, wenn sie nicht kooperieren. In einer ersten mündlichen Abstimmung stimmt Blanche als Einzige dagegen. Nicht wegen der sieben Minuten, sondern wegen dem, wofür sie stehen. Sie scheint alleine auf verlorenem Posten, bis nach und nach Einzelne ihre Partei ergreifen. Die Stimmung ist zunehmend gereizt, jede hat ihren eigenen Kopf. Argwohn und Misstrauen beherrschen die Debatte, Unterstellungen und Vermutungen machen die Runde.

 

Das Stück basiert auf einer wahren Begebenheit in einer französischen Fabrik. Es geht um die Arbeit, die dort arbeitenden Frauen, ihre Rechte, und was elf Arbeiterinnen eine Stimme und Seele verleiht, die sich Sorgen um die Zukunft und um die ihrer Kinder machen. Es geht um die Wut, die prekäre Arbeitssituationen auslösen kann, sowie die Angst, in der die Masse der abhängig Beschäftigten auf der Welt heute leben.

 

 

 

und das sagte die Presse zu der Koproduktion Mainz/ Luxembourg:

 

7 MINUTEN boshua Luxembourg 0913"Theaterwunder gibt es hin und wieder […] „7 Minuten/ Betriebsrat“ ist zweifellos eines der klügsten Stücke, das die Gegenwartsdramatik in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat. Und die deutschsprachige Erstaufführung […] bringt alle Qualitäten des Werks in einer ergreifenden Klarheit auf die Bühne. Der italienische Autor Stefano Massini hat ein von jeglichen Theatermoden unbeeindrucktes, aber hochaktuelles Stück geschrieben dessen intellektuelle Brillanz sich in schönster Schlichtheit offenbart. […] Massini legt die Tücken einer Demokratie bloß, deren Vertreter jede Entscheidung als alternativlos bezeichnen. […] Betriebsausflüge ins Staatstheater Mainz sind zu empfehlen." (Rhein-Zeitung)

 

 

"Moderne Mächte unterdrücken nicht durch Verbote und Zensur. Statt offen Gewalt auszuüben, verführen sie. […] Was das vor der Drohkulisse einer Werksschließung bedeutet, hat die in Belgien ausgebildete Regisseurin Carole Lorang am Mainzer Staatstheater in einer dramaturgisch eindrucksvollen Inszenierung des Stücks „7 Minuten. Betriebsrat“ von Stefano Massini nachgezeichnet." (Frankfurter Rundschau)

 

"Der italienische Autor Stefano Massini setzt mit "7 Minuten" der europäischen Arbeitswelt die Pistole auf die Brust: seine elf Protagonistinnen stehen stellvertretend für eine Welt, in der Profitdenken und Ausbeutung an der Tagesordnung sind, in der Worte verdreht und beschönigt und "Krawatten" zu "Heiligen" erhoben werden bis die Existenzangst über Gerechtigkeitswillen siegt. Es sind verletzliche Menschen, [...] die sich der Frage stellen müssen: was bist du bereit zu tun, um dich zu retten?" (nachtkritik)

 

"Es ist schlau, dass sich Massinis Stück vor allem aufs Fragen konzentriert – auch, weil er die richtigen Fragen stellt. Zusammen mit einer durchweg hochklassigen Leistung des Mainzer Frauen-Ensembles." (Allgemeine Zeitung)

  

"Starkes Stück, starkes Frauenteam." (Luxemburger Wort)

 

"Ein kraftvolles Stück in einer stimmungsvollen Inszenierung von Carole Lorang." (Journal)

 

"Dieser Text, den Carole Lorang da als deutschsprachige Erstaufführung […] ins Kapuzinertheater bringt ist Wahnsinn im besten Sinne. Die elf Schauspielerinnen und insbesondere das Kreativteam haben spürbaren Respekt vor diesem dichten und unglaublich gelungenen Text und dem Spanungsbogen. Es soll nichts ablenken, aber die Intensität gehalten werden […] Text, Schauspielteam und Inszenierung sind beeindruckend.“ (Luxemburger Wort)

 

"In einem vorzüglich gespielten, clever inszenierten Stück wird hier auf fast dokumentarische Art und Weise den scheußlichen Mechanismen des späten Kapitalismus ein Prozess gemacht. […] Irgendwie, so gibt uns Stefano Massinis starker Text zu verstehen, haben wir […] es hingekriegt, uns eine Arbeitswelt zu schaffen, die mehr und mehr einem Gefängnis ähnelt.“ (Luxemburger Tageblatt)

 

"In ihrer Inszenierung gelingt es Carole Lorang, die nötige Spannung aufzubauen, dem Geschehen humorvolle Noten zu verpassen, um die Stimmung im nächsten Augenblick wieder kippen zu lassen und auf den Ernst der Situation aufmerksam zu machen." (Lëtzebuerger Journal)

 

 

 

 

Fotos © Bohumil Kostohryz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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