Heimat ist da, wo man sich aufhängt.

(Thomas Bernhard)

 

 

HEIMWÄRTSheimwaerts  schauspiel köln 09.12.2017 1

 

Stück von

IBRAHIM AMIR

 

 

1 D, 5 H / var. Dek.

 

UA 09. Dezember 2017 Schauspiel Köln

Regie: Stefan Bachmann

Dramaturgie: Julian Pörksen

Bühne und Kostüme: Jana Findeklee | Joki Tewes

Besetzung: Yuri Englert, Niklas Kohrt, Melanie Kretschmann, Peter Miklusz, Axel Pape, Jörg Ratjen

 

 

heimwaerts  schauspiel köln 09.12.2017 2Mehr als ein halbes Leben war Wien für Hussein sein Zuhause. Nun aber, wo es ums Sterben geht, hat er nur noch einen Wunsch: zurück nach Syrien. Dort die letzten Atemzüge machen und begraben werden – in seinem Heimatland. Und so macht sich Hussein auf den Weg, begleitet von seinem Neffen Khaled, dem Arzt Osman und der transsexuellen Sanitäterin Simone.

 

Ihre »Reise« entspricht der Route Millionen Flüchtender – nur eben in die andere Richtung. Bevor sie ihr Ziel erreichen, verstirbt Hussein und die drei Übriggebliebenen stranden mit einer Leiche im Gepäck im türkischen Niemandsland. Das Ausstellen der Todesurkunde sollte ein Routinevorgang sein, wäre da nicht der ehrgeizige und aufstrebende Beamte Bekir, der in der kleinen Reisegruppe eine Ansammlung von dubiosen Individuen sieht – erst Recht als im Land ein Ausnahmezustand ausbricht, der aus allen Verdächtige macht.

 

 

Und das sagte die Presse zur UA in Köln:

 

„Meist, zumal in seinem Überraschungserfolg HABE DIE EHRE, gelingt es ihm (Amir) so, gesellschaftliche Ängste, Vorurteile und Ehrbegriffe durch überdrehende Klischees in Humor verwandeln, der tatsächlich etwas Befreiendes hat.[...] kurzweilig ist der Abend allemal. [...] Ibrahim Amir hat auf schlanken 40 Stückseiten recht lässig Zugehörigkeitszwang, Fremdenfeindlichkeit, Ausbeutung als paranoide innere Schutzkonzepte entlarvt, allein dadurch, dass er den Begriff Heimat in so vielen Bedeutungsnuancen zwischen Orient und Okzident schillern lässt: als Rechtfertigung für Ausgrenzung und Gewalt, als populistischer Haudrauf-Slogan oder auch einfach als letzter menschlicher Sehnsuchtsanker.“ (Nachtkritik)

 

heimwaerts  schauspiel köln 09.12.2017 3Von den oft wehmütigen Heimat-Definitionen, die den unbestimmten Sehnsuchtsort im 'noch nicht' oder 'nie mehr', in der Sprache oder Erinnerung beschwören, ist die Auslegung des Österreichers Thomas Bernhard die bündigste und garstigste: "Heimat ist, wo man sich aufhängt." Das ergibt eine schöne Leich'. Eine solche - und sogar mehr als die eine - findet sich bei Bernhards halbem Landsmann Ibrahim Amir. [...] Vorurteile, Stereotypen, Phobien, moralische Verdikte, die ironische Betrachtung der eigenen Selbstzensur werden von Amir auf der Halde für political correctness munter entsorgt. [...] 

Der Migrationshintergrund wird aufgezogen wie ein Theatervorhang, um dahinter die Verklappung von Klischees vorzunehmen und die Figuren im Schwank durchzuschütteln. In "Heimwärts", worin Heimat vom nationalistischen Wahn bis zur Identität mit dem Körper-Ich reicht, sind es der türkisch geborene Arzt Osman aus Wien, die österreichische Krankenschwester Simone, die früher ein Simon war, und der kurdische, ehemals in Aleppo lebende Khaled. [...] Eine Geschichte kann mit einem Sarg beginnen und trotzdem oder gerade deshalb Komödie sein. Man denke an Billy Wilders zum Schießen komischen Film "Some like it hot". Tote reisen nicht - schon überhaupt nicht in die Türkei ein - ohne Pass und Herkunftsnachweis. [...] Dass unser Dasein grotesk, sogar ein Diktator nur eine Marionette und Glück nicht von dieser Welt ist, taugt als - auch interkulturelle - Erkenntnis immer. Insofern sind die Figuren in "Heimwärts" am Puls der Zeit, bis dieser Indikator des Vitalen bei ihnen allen stillsteht. Der Tod bleibt die österreichische Spezialität, auch wenn Amir mit "Sachertorte und Melange" endet." (DER SPIEGEL)

 

„Amir geht es aber auch um Heimat und den Verlust derselben, um die Schwierigkeit, im Leben wie im Tod einen sicheren, friedlichen Platz auf (oder wenigstens unter) dieser Erde zu finden, um Toleranz und den Wunsch nach Gleichheit, auch wenn die Unterschiede und Ressentiments noch so gross sein mögen." (NZZ)

 

„Die starken Passagen sind in den Gesprächen zwischen dem Onkel und seinem Neffen, auch in dieser durchaus traumhaften Atmosphäre, zu finden." (Deutschlandfunkkultur)

 

 

 

 Fotos: Tommy Hetzel

 

 

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