1971 - 2021

 

Vor 50 Jahren erschien Ester Vilars Streitschrift

DER DRESSIERTE MANN

  

Vor 10 Jahren wurden die provokanten Gesellschafts-Theorien mit der Uraufführung der darauf basierenden Komödie unterhaltsam auf die Bühne gebracht

  

Seitdem hat das Stück einen Siegeszug über die deutschsprachigen und europäischen Bühnen angetreten

  

 

  

    

 

DER DRESSIERTE MANN

 

 

Komödie vonDressierte Mann München0042

JOHN VON DÜFFEL

 

  

nach dem Bestseller

»Der dressierte Mann«

von ESTHER VILAR

 

  

 

3 D, 1 H / Einheitsdek

   

UA 19. Januar 2011 Theater an der Kö, Düsseldorf

 

   

Ausgerechnet an dem Abend, als Bastian sie mit einem selbst zubereiteten Fünf-Sterne-Candlelight-Dinner und dem Verlobungsring daheim erwartet, wird es bei Helen später: Der Chef hat ihr den Job als Chief Executive Officer angeboten, auf den Bastian selbst insgeheim spekuliert hatte. Statt Romantik gibt es nun eine handfeste Beziehungskrise, denn welcher Mann erträgt es schon, wenn die Partnerin auf der Karriereleiter an ihm vorbeizieht?

    

Während Helen darum ringt, ihre eigenen Ambitionen, Bastians gekränkten Stolz und vielleicht sogar noch einen künftigen Kinderwunsch miteinander zu versöhnen, treten ungebeten beider Mütter auf den Plan und tun das Ihre dazu. Die Radikalemanze und die Zahnarztgattin in dritter Ehe stellen die beiden Pole dar, zwischen denen Weiblichkeit sich eine Generation früher definierte. Gnadenlos pragmatisch entwickeln die beiden Mütter gemeinsam mit Helen die weibliche Strategie fürs 21. Jahrhundert…

»Ich kenne keine Frau, die einen Beruf ausübt, um ein Leben lang die Kinder und den Mann zu ernähren.«

(Esther Vilar, 2007)

 

  

Esther Vilars Bestseller reloaded: Schon der Titel »Der dressierte Mann« war reine Provokation, die polemische Streitschrift wurde zum Skandal. Esther Vilars Thesen von der skrupellosen Ausbeutung der männlichen Arbeitskraft durch listig die Beschützerinstinkte zu ihren Gunsten ausnutzende Frauen ließen die Feministinnen Anfang der 70er Jahre Verrat am eigenen Geschlecht wittern. Das Buch wurde zum Weltbestseller und bis heute vielfach aufgelegt. Fünfzig Jahre später hat sich das Zusammenleben der Geschlechter in vieler Hinsicht geändert.

  

  

Dennoch: Macht- und Rollenspiele, Manipulation und Unfreiheit bestimmen auch heute noch das Zusammenleben von Mann und Frau. John von Düffel dreht in seiner Bühnen-»Coverversion« des Vilar-Bestsellers den Spieß der Emanzipation ein weiteres Mal um. Vilars Thesen sind das Fundament für den Ring, in dem er die Kinder der militanten Feministinnen und schnurrenden Luxusweibchen von damals aufeinander loslässt, wobei die Mütter leidenschaftlich coachen. Bastian und Helen sind typische DINKs, in ihrer modernen Partnerschaft ist Gleichberechtigung gar kein Thema mehr – bis sie ihn auf der Karriereleiter überholt und dadurch sein Selbstbewusstsein empfindlich trifft. Zwischen gekränktem Stolz und erbitterter Konkurrenz ist für die Liebe kein Platz mehr. Und überhaupt: Wenn die Frau selbst für Wohlstand und Sicherheit sorgen kann, wofür braucht sie dann noch einen Mann…?

 

     

»Außerhalb seiner Funktion als Ernährer misst die Frau dem Mann keinen Wert zu.«

(Esther Vilar: Der dressierte Mann)

 

 

HELEN: Deine zukünftige Frau, was muss die können, außer Konzern-Konsolidierung, Risiko-Management und Sicherstellung der sexuellen Grundversorgung? Möchtest du Frühstück ans Bett, willst du lieber zu Hause Mittag essen als in der Kantine?...Aber siehst du denn nicht, was für ein ökonomischer Schwachsinn das ist? Bastian, ich in der Küche, am Herd, das … das ist eine völlige Fehlallokation von Ressourcen, das heißt, jeder macht das, was er am schlechtesten kann! So viel Ineffektivität ist kriminell!

 

   

ESTHER VILAR war Mitte Dreißig, als sie Anfang der Siebziger mit ihrer provokanten Streitschrift gegen die Frauenbewegung weltberühmt wurde. Ihr Buch „Der dressierte Mann“, in dem sie die Frauen als die wahren Ausbeuterinnen und Unterdrückerinnen darstellt, verkaufte sich millionenfach. Die Autorin wurde als Sexistin und Faschistin beschimpft, von Frauen zusammengeschlagen und musste Deutschland mit ihrem kleinen Sohn fluchtartig verlassen: »Ich hatte offenbar etwas Revolutionäres gesagt. Mein Leben hatte sich auf einen Schlag total verändert. Es gab immer nur Angriffe, mich hat nie jemand verteidigt.«

 

 

   

JOHN VON DÜFFEL (geb. 1966) könnte Vilars Sohn sein, in seiner Generation sind die von ihr geschilderten shoppenden Zahnarztgattinnen und Nur-Hausfrauen selten geworden. Hat sich der Mann also aus seiner Knechtschaft befreit? Der Dramaturg und mehrfach ausgezeichnete Autor hat die Herausforderung angenommen, Vilars Thesen in postfeministischen Zeiten zu erproben. Herausgekommen ist eine Komödie: »Esther Vilars Dressierter Mann war der Aufreger im emanzipierten Haushalt meiner Eltern. Heute sind der Zorn, die Verbissenheit und Bitterkeit Geschichte, aber Vilars Gedanken und Beobachtungen über das Verhältnis der Geschlechter haben nichts von ihrer Brisanz und Schärfe eingebüßt. Die Gnade der späten Begegnung mit diesem Werk besteht darin, dass man vieles entspannter und amüsierter aufnehmen und weiterdenken kann als in der kämpferischen Verbissenheit der Anfangsjahre des Feminismus

 

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